Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Kupferstichs
Person:
Frantz, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-710633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-712239
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Regeln nichts wissen mochte, und der Willkür und 
Manier Thor und Thür geöffnet hatte. Man wollte 
den Laien gegenüber schön, pikant, reizend er- 
scheinen und hatte sich, statt den tiefen, reineren 
Impulsen der Kunst zu folgen, viel mehr dem Huc- 
tuirenden Geschmack der unruhigen Menge an- 
vertraut. Daraus war ein Widerstreit der Meinungen, 
Hass und Neid unter den Kunstjüngern selbst ent- 
standen, wie dies selbst in der Familie der Carracci's 
bemerkt werden kann, die in Hannibal und Augustin 
Carracci die bedeutendsten und doch unverträglich- 
sten Talente der Zeit besass. 
Mit dem Beginn dieser zweiten Periode sollte 
diesem schmerzlich empfundenen Uebelstande Ab- 
hülfe geschehen; aber die Streitenden konnten nicht 
einig werden über die dazu führenden Mittel und 
Wege. Die Einen meinten, man müsse zurückgehen 
auf die Vorbilder der früheren Meister, ihre Vorzüge 
erkennen, sie studiren und nach ihnen sich üben, so 
werde die schöne goldene Zeit der Kunst wieder- 
kehren. Dies waren die Eklektiker oder Aka- 
demiker. Die Anderen meinten, man müsse auf das 
Urbild aller Kunst, auf die unverfälschte Natur 
zurückgehen; dies waren die Naturalisten. Beide 
Parteien befehdeten und trennten sich. 
Die Eklektiker errichteten eine Akademie in Bo- 
logna (daher Akademiker), welche das Muster aller spä- 
teren Akademien geworden ist. Ihre Begründer waren 
Ludwig Carracci und seine beiden Neffen Augustin und 
Hannibal Carracci. Ihr Grundsatz war, die Vorzüge 
aller Maler kennen zu lernen, und ihre Schüler nach 
ihren Eigenthümlichkeiten auszubilden. In ihren 
Werken sollte sich alles Nachahmungswürdige finden,
        

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