Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Kupferstichs
Person:
Frantz, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-710633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-712162
geistige Leben darin zu empfinden und darzustellen, 
war den meisten versagt. Nur das leiblich, nicht 
das geistig geschaute beschäftigte die Technik; die 
geistige, ideale Welt war der deutschen Kunst ver- 
schlossen oder fand keinen Anklang. Daher die 
vielen Vues et Prospectes in der Landschaft; daher 
die vielen Gesichter, die trait pour trait (daher Por- 
trait oder Pourtrait) mit den conventionellen Bei- 
gaben abgebildet wurden und in den Nachbildungen 
historischer Gemälde die blosse Darstellung der sicht- 
baren Form ohne den Ausdruck, den nur ein Kunst- 
auge zu bemerken fähig ist. Grosse Künstler und 
Meister, umgeben von Schülern, denen sie ihre 
Regeln und Erfahrungen mittheilen konnten, gab es 
ebenso Wenig als Kunstschulen; wer hätte sie auch 
leiten sollen; und als sie nach und nach in München, 
in Augsburg, in Wien, in Berlin und anderen Städten 
entstanden, da waren sie Copien der Pariser Akademie, 
wo die Formen, aber nicht die geistige Thätigkeit 
der Schüler geübt und nur eine kraftlose Neigung 
der Eleven auf die Bahn geholfen wurde. Inzwischen 
hatte dieser Mangel auch eine Verwilderung der 
Technik eingeleitet, wo jeder, der den Grabstichel 
führte, auf Mittel und Wege sann, einen gewinn- 
reichen Absatz sich zu verschaffen. - Der Mangel 
an Idealität führte endlich zu dem Realismus der 
holländischen Schule, der dem deutschen Kunst- 
geschmack durchaus homogen war; der ideale Sinn 
für die schöne Form der Antike und für die Idealität 
der alten italienischen Schule musste erst durch 
Winckelmann, und Maler, wie Carstens u. A. eröffnet 
und belebt werden, womit denn auch eine neue Zeit 
für den deutschen Kupferstich eingeleitet wurde.
        

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