Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des Kupferstichs
Person:
Frantz, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-710633
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-711862
weiteren Fortbildung hätte erstarken können. Man 
vernachlässigte die edle Technik des Grabstichels 
und bevorzugte die Radirnadel.  Deutschland war 
in der ersten Hälfte des 17. Iahrhunderts wie ein 
Vulkan, in welchem die im Verlaufe von mehr als 
100 Jahren immer bitterer gewordene Spannung 
zwischen Kirche und Staat zu einer erschütternden 
Lösung kam, und in der Zeit des gojährigen Krieges 
war hier nirgends eine ruhige Stätte mehr, wo die 
Kunst ein schützendes Asyl hätte linden können. 
Das phantastische Element, das in der Kunst eines 
Dürer sein harmloses, neckisches Spiel trieb, schien 
in einem Fanatismus streitender Parteien aufzuglühen, 
der die Kunstgedanken, wenn sie auftauchten, ver- 
bitterte, verzerrete und verzehrte. Die Kunst aber 
fand keinen Beifall, aber auch keine Talente, die 
sich hätten geltend machen können. Die wenigen 
namhaften Maler suchten in Italien ihre Kunstbildung 
zu vollenden. In Italien, in diesem Mittelpunkte der 
kirchlichen Macht, war die Kunstpflege nicht 
vergessen; man glaubte hier sogar, die Kunst 
benutzen zu können, die sinkende kirchliche Macht 
wieder zu stärken; aber in Deutschland, im Mittel- 
punkte der politischen Macht, war eben darum 
die italienische Kunstpiiege wie Oel im Feuer. Man 
kannte das Oel nur zu gut, und was hier etwa die 
Kunst that, um es wirkungslos zu machen, waren 
Karrikaturen, emblematische und andere Spottbilder 
zu Hohn und Schimpf des Feindes. Solche Erzeug- 
nisse einer fanatisirten Kunst wurden zu Hunderten 
in Büchern und liiegenden Blättern im Volke ver- 
breitet. In solcher Weise wurde auch der Guerilla- 
krieg 
der 
kirchlich-politischen 
Parteien 
geführt, 
wie
        

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